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Wärmepumpen-Check im Gebäudebestand – Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Hamm Lippstadt u. der Soester Bauverein eG

Die Genossenschaft Soester Bauverein eG, gegründet 1896, gehört zu den ältesten Wohnungsbaugenossenschaften in Nordrhein-Westfalen. Heute umfasst der Bestand 306 Wohnungen bei über 400 Mitgliedern.

Ziel eines Projekts der Hochschule Hamm-Lippstadt gemeinsam mit der Soester Bauverein eG war es zu untersuchen, ob und unter welchen Bedingungen Wärmepumpen auch in größeren Wohngebäuden wirtschaftlich betrieben werden können.

Vorgehen
Untersucht wurden Mehrfamilienhäuser aus den Baujahren 1931–1970 mit Gaszentralheizung und bis zu 27 Wohneinheiten. Erfasst wurden zentrale Betriebsparameter der Heizsysteme.

Auf Basis dieser Daten lässt sich die Jahresarbeitszahl (JAZ) abschätzen – eine zentrale Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen.

Ergebnisse (Auszug)
Die Gebäude zeigen sehr unterschiedliche Voraussetzungen:

  • <55 °C Vorlauf: rechnerische Arbeitszahlen >3 – effizienter Wärmepumpenbetrieb grundsätzlich möglich
  • 65–70 °C Vorlauf: Arbeitszahlen <2–2,2 – klassische Niedertemperatur-Retrofits eher unwirtschaftlich

Auffällig war außerdem der Unterschied zwischen Einschätzungen bei Begehungen und den tatsächlichen Messdaten. Genau hier liegt der Mehrwert eines datenbasierten Wärmepumpen-Checks.

Praxisnahe Handlungsempfehlungen:

  • Hydraulik und Regelung prüfen
    Hohe Spreizungen und fehlende witterungsgeführte Regelungen können unnötig hohe Vorlauftemperaturen verursachen.
  • Heizflächen und Systemtemperaturen analysieren
    Durch Heizkörperoptimierung oder hydraulischen Abgleich lassen sich die benötigten Systemtemperaturen häufig deutlich senken.
  • Gebäudeseitige Maßnahmen prüfen
    Teilmaßnahmen der energetischen Gebäudesanierung können den Wärmepumpenbetrieb erheblich verbessern.
  • Systemkonzept anpassen
    Wenn dauerhaft hohe Temperaturen erforderlich sind, kommen beispielsweise
    – Hochtemperatur-Wärmepumpen
    – Wärmepumpenkaskaden mit Spitzenlastkessel
    in Betracht.
  • Warmwasserstrategie überdenken
    Eine getrennte Warmwasserbereitung (z. B. dezentral) kann das Temperaturniveau der Raumheizung deutlich reduzieren.


Fazit

Der Gebäudebestand im Bereich großer Mehrfamilienhäuser älterer Bauart ist keineswegs pauschal „nicht wärmepumpentauglich“ – aber es gibt mitunter neben problemlos funktionierenden Fällen auch Beispiele mit Handlungsbedarf. Ohne Messdaten und Systemanalyse ist eine fundierte Entscheidung kaum möglich.

Vielen Dank an den Soester Bauverein für die Zusammenarbeit und den offenen Austausch.

Ansprechpartner – Werkbank Sektorenkopplung:
Dipl.-Ing. Andreas Lutters, Dipl.-Ing. (FH) Jan Lebek

Bildquelle: privat. Personen von rechts nach links: Fr. Brüggemann, Hr Behmer, Hr. Jäschke (alles Soester Bauverein eG), Hr. Lebek, Hr. Lutters (Hochschule Hamm Lippstadt)

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