Aktion WärmepumpenCheck: Wie hoch müssen Vorlauftemperaturen im Gebäudebestand wirklich sein?
Ein Projektteam der Werkbank Sektorenkopplung hat gemeinsam mit der Hammer Gemeinnützige Baugesellschaft mbH (HGB) in drei Mehrfamilienhäusern insgesamt elf Heizsysteme im realen Betrieb messtechnisch untersucht.
Die HGB bewirtschaftet über 3.300 Wohnungen in Hamm und modernisiert ihren Bestand kontinuierlich – eine ideale Grundlage für eine datenbasierte Bewertung der Wärmepumpeneignung.
Ziel war es, nicht Annahmen, sondern reale Betriebsdaten auszuwerten.
Erfasst und ausgewertet wurden u. a.:
- Wärmeverbräuche und Lastprofile
- Vorlauf- und Rücklauftemperaturen
- Temperaturspreizungen und hydraulische Kenngrößen
- Zusammenhang zwischen Außentemperatur und Heizleistung
Der praxisnahe Ansatz:
Der IST-Zustand wurde ohne Eingriffe in die Anlagen analysiert, um belastbare Aussagen unter realen Betriebsbedingungen zu erhalten.
Ein zentrales Ergebnis:
Bei 95 Prozent aller während der Heizperiode 2025/2026 erhobenen Werte lagen die Vorlauftemperaturen in den Heizkreisen im Bereich von 45 °C bis 68 °C.
Dabei zeigte sich:
- mehrere Systeme arbeiten überwiegend im Temperaturbereich unter 55 °C
- ein Teil der Systeme liegt im Bereich zwischen 55 und 60 °C
- nur einzelne Anlagen benötigen zeitweise mehr als 60 °C Vorlauftemperatur
Die Analyse macht deutlich:
Nicht das Baujahr eines Gebäudes entscheidet über die Eignung einer Wärmepumpe, sondern die realen Betriebsparameter und die hydraulische Qualität des Systems.
Oft lassen sich bereits durch vergleichsweise kleine Maßnahmen Verbesserungen erreichen:
- Optimierung der Heizkurve
- hydraulischer Abgleich
- Anpassung der Pumpenstrategie
- dezentrale Warmwasserbereitung
- Hybridlösungen für seltene Spitzenlastfälle
Gerade für größere Wohnungsbestände hilft eine datenbasierte Analyse, Investitionen technisch fundiert und wirtschaftlich tragfähig zu planen.
Ziel sind angemessene Investitionsentscheidungen, die sowohl die technischen Anforderungen erfüllen als auch die Auswirkungen auf die Mietpreise im Blick behalten.
Unser Fazit:
Die Wärmewende im Bestand gelingt nicht durch Annahmen – sondern durch Messdaten.
Vielen Dank an Marius Biskupek und Hannah Hansen vom Team der HGB für die konstruktive Zusammenarbeit!
Bildquelle: Hammer Gemeinnützige Baugesellschaft mbH
