Skip links

Verbrenner, E-Auto oder Wasserstoff?

E-Mobilität für Unternehmen in Hamm in Zeiten von hohen Spritpreisen/ Der Praxis-Check

Hamm – Der Blick auf die Preise für Kraftstoffe an den Tankstellen macht es deutlich: Automobile Mobilität ist durch den Krieg im Mittleren Osten sehr viel teurer geworden. Eventuell steht sogar die Versorgung mit konventionellen Kraftstoffen infrage. Viele Autofahrer fragen sich vor diesem Hintergrund, ob ein Umstieg auf ein E-Fahrzeug sinnvoll ist.

Wie stellt sich aktuell die Situation für Hammer Gewerbetreibende dar? Dies untersuchte das „Institut für Sektorenkopplung“ der HSHL im Rahmen von Studien bezüglich E-Mobilität für Pflegedienste und Taxiunternehmen.

„In der Mobilität sind elektrische Antriebe den Verbrennungssystemen über-legen“, ist Jens Kneißel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts, über-zeugt. Strom lässt sich vor Ort erneuerbar erzeugen, zudem ist er oft sehr günstig. Strom ist längst der Energieträger für Licht, Wärme und Maschinentechnik. „Wenn Wärme, Haushaltsstrom und Mobilität zusammengedacht werden, wird das Leben deutlich energieeffizienter. Am Ende wird alles Strom“, so bringt es Kneißel auf den Punkt. Und ein Kostenvergleich Verbrenner- / E- / Wasserstoff-Auto von HSHL-Professor Olaf Goebel zeigt: Bei den reinen Energiekosten pro Kilometer schneidet die E-Variante in allen betrachteten Klassen (Passat-, Bulli- und Sprinter-Segment) am besten ab. Wasserstoff ist derzeit die teuerste Option. Der Vorteil von E-Mobilität wächst, wenn ein Teil des Stroms aus eigener Photovoltaik kommt. Hohe Treibstoffpreise wie aktuell verschärfen den Kostennachteil des Verbrenners; beim Wasserstoff ist zudem das dünne Tankstellennetz ein Problem. Zwar sind E-Fahr-zeuge in der Anschaffung oft noch teurer als Verbrenner, durch niedrigere Kosten für die Wartung nähern sich die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer aber an.

„Im Taxigewerbe hängt ein etwaiger Umstieg auf E-Fahrzeuge stark von Betriebsgröße und Infrastruktur ab.“, so Johann Funk, wissenschaftlicher Mitarbeiter der HSHL. Größere Unternehmen mit Betriebshof können Ladepunkte und gegebenenfalls Photovoltaik eher umsetzen, kleine oder Ein-Personen-Betriebe haben deutlich höhere Hürden. Die Taxi-Unternehmer würden kommunale Taxi-Ladezonen begrüßen – wenn sie zentral liegen und sich in den Alltag integrieren lassen, etwa an häufigen Zielen wie Kliniken. Nachteilig sind hohe Ladepreise unterwegs sowie unterschiedliche Zugangs- und Bezahlsysteme. Gefordert wird ein abgestimmtes Vorgehen aus Technik, Organisation und Politik – mit früher Einbindung der lokalen Taxi-Unternehmer.

„Ambulante Pflegedienste wurden in einem NRW-Förderprogramm unter-sucht“, berichtet Rüdiger Brechler (Projektkoordinator Werkbank Sektorenkopplung). Für die typischen Tagesstrecken der Pflegedienste eignen sich E-Kleinwagen gut. Daher kommt das nun breitere Angebot in diesem Fahrzeugsegment einer Umstellung entgegen. Als größte Hürde gelten die höheren Anschaffungskosten – verstärkt durch den Wegfall des Bundes-Umweltbonus für gewerbliche E-Fahrzeuge. Eine Förderung durch das Land NRW soll hier teilweise entlasten.

Für viele gewerbliche Fahrten – gerade im Handwerk – sind die Reichweiten heutiger E-Fahrzeuge oft ausreichend. Dass es im Alltag funktioniert, zeigen die Erfahrungen der Düchting GmbH: „Rund 75 Prozent unseres Fuhrparks sind schon elektrisch unterwegs; die Pkw-Flotte ist seit zwei Jahren voll-ständig umgestellt“, berichtet Geschäftsführer Richard Düchting im Gespräch mit dem WA. Und auch die ersten Nutzfahrzeuge sind bereits auf E-Antriebumgestellt. Teils wurden schon 200 000 Kilometer Laufleistung erreicht. „Die Batterien sind stabiler als erwartet. Geladen wird am Standort, unterstützt durch eine Photovoltaikanlage. Die typischen Tagesstrecken für unsere Fahr-zeuge passen gut. Eigenstrom senkt die Kosten, und die Wartung ist geringer und besser planbar“, so Düchting weiter. Die CO₂-Emissionen des Betriebs wurden um rund 60 Tonnen pro Jahr gesenkt. Als nächster Schritt ist unteranderem ein Speicher geplant, um Solarstrom noch besser zu nutzen.

Und was heißt dies alles für den Privatnutzer? Es hängt vom individuellen Fall ab, ob die Anschaffung eines E-Autos sinnvoll ist. Fahrleistung, vorhandene Lademöglichkeiten, etwaig eigene PV-Anlage und Wall-Box sowie Verfügbarkeit der gewünschten Fahrzeuggröße sind die Kriterien. Und natürlich die aktuell geltenden Förderungen.

Quelle: Artikel von Stefan Sickert vom 16.5.2026 – Westfälischer Anzeiger Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG  
Bild: https://www.strom-das-buch.de/free-lunch