Was passiert, wenn man ein Landhotel nicht nur als Gebäude, sondern als vernetztes Energiesystem betrachtet?
Genau dieser Frage sind wir im Rahmen der Werkbank Sektorenkopplung gemeinsam mit dem familiengeführten Landhotel Bartmann in Sendenhorst nachgegangen.
Das Landhotel Bartmann entwickelt seinen Betrieb kontinuierlich weiter und beschäftigt sich aktiv mit der Frage, wie Energie künftig noch effizienter und nachhaltiger genutzt werden kann. Das Projekt bot die Möglichkeit, den gesamten Betrieb unabhängig zu analysieren und Potenziale für die Zukunft aufzuzeigen.
Hotels und Gastronomiebetriebe sind energetisch besonders spannend: Beherbergung, Restaurant, Veranstaltungen, Gebäudetechnik, Wäscherei sowie Kühl- und Gefriertechnik greifen eng ineinander. Dadurch entstehen komplexe Energieströme, die großes Potenzial für intelligente Lösungen bieten.
Am Standort kommen bereits Photovoltaik, zwei Blockheizkraftwerke sowie eine leistungsfähige Wärmeversorgung zum Einsatz. Mit dem Auslaufen der PV-Einspeisevergütung stellt sich nun die Frage, wie der selbst erzeugte Strom künftig noch effizienter im eigenen Betrieb genutzt werden kann.
Unsere Analyse: Die technische Basis ist bereits vorhanden. Das größte Potenzial liegt darin, die bestehenden Systeme noch intelligenter miteinander zu vernetzen und Energie genau dann zu nutzen, wenn sie vor Ort erzeugt wird.
Unsere Empfehlungen:
- Hybrides Wärmesystem weiterentwickeln
Blockheizkraftwerke und Wärmepumpe können fossile Spitzenlasten reduzieren sowie Eigenverbrauch und Effizienz erhöhen. - Lastspitzen gezielt reduzieren
Ein Batteriespeicher kann sinnvoll sein. Zunächst sollten Verbrauchsspitzen und wirtschaftliche Maßnahmen wie Peak Shaving geprüft werden. - Energiemanagement einführen
Photovoltaik, Blockheizkraftwerke, Wärmeversorgung, Warmwasserbereitung, Wäscherei, Kühlung und Ladeinfrastruktur sollten aufeinander abgestimmt werden. So lässt sich selbst erzeugte Energie im Betrieb nutzen. - Betrieb der Blockheizkraftwerke optimieren
Die Laufzeiten sollten am Strom- und Wärmebedarf ausgerichtet werden, um Eigenverbrauch und Effizienz zu steigern. - Photovoltaik strategisch ausbauen
Potential vorhandene Dachflächen nutzen. Mit zunehmender Elektrifizierung, E-Mobilität und Energy-Sharing-Modellen wird ein Ausbau attraktiver.
Das Projekt zeigt, wie mittelständische Hotel- und Gastronomiebetriebe die Energiewende aktiv mitgestalten können: nicht durch möglichst viele neue Anlagen, sondern durch das intelligente Zusammenspiel bestehender Systeme und betrieblicher Abläufe.
Ein herzlicher Dank gilt Carolin und Thomas Bartmann für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, ihre Offenheit und die Bereitschaft, ihren Betrieb als Praxisbeispiel zur Verfügung zu stellen.
Bildquelle: HSHL
